Fasten ist eine der ältesten Praktiken der Menschheit – und erlebt heute eine bemerkenswerte Renaissance. Wer sich auf die Suche nach der passenden Fastenmethode begibt, stößt früher oder später auf zwei ganz besondere Ansätze: das wissenschaftlich strukturierte Heilfasten nach Otto Buchinger und das tief in der mittelalterlichen Klostermedizin verwurzelte Hildegard-Fasten. Beide Methoden haben treue Anhänger, unterscheiden sich aber fundamental in ihrer Philosophie, ihrer Durchführung und ihrem spirituellen Hintergrund. Dieser Artikel beleuchtet beide Wege ausführlich – damit Sie entscheiden können, welcher besser zu Ihnen passt.
Was ist Heilfasten nach Buchinger – und wie entstand es?
Otto Buchinger (1878–1966) war ein deutscher Arzt, der das Heilfasten aus eigener leidvoller Erfahrung heraus entwickelte. Nachdem er selbst an einer schweren Erkrankung litt und mit konventionellen Methoden keine Besserung fand, begann er, intensiv mit dem Fasten zu experimentieren. Was er dabei erlebte, bewog ihn, sein gesamtes ärztliches Leben dieser Methode zu widmen. Heute sind die Buchinger-Kliniken am Bodensee und in Marbella weltbekannt, und das Buchinger-Fasten gilt als eine der bekanntesten medizinisch begleiteten Fastenmethoden im deutschsprachigen Raum – sowie seit 2021 als UNESCO-Kulturerbe.
Das Buchinger-Heilfasten ist im Kern ein modifiziertes Saftefasten: Während der Fastenzeit – klassischerweise sieben bis vierzig Tage – werden ausschließlich flüssige Nahrungsmittel zugeführt. Dazu gehören Gemüsebrühen, frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, Kräutertees sowie Honig in kleinen Mengen. Die Kalorienzufuhr liegt bei etwa 200 bis 500 Kilokalorien täglich. Diese klare Struktur soll es dem Körper ermöglichen, auf eigene Reserven zurückzugreifen, während gleichzeitig lebenswichtige Nährstoffe und Mineralien bereitgestellt werden. Begleitend dazu werden Darmentleerung durch Einläufe oder Glaubersalz, leichte Bewegung wie Spaziergänge und Ruhezeiten empfohlen.
Ein wesentliches Merkmal des Buchinger-Fastens ist seine ganzheitliche Ausrichtung, die körperliche, seelische und geistige Dimensionen umfasst. Buchinger selbst bezeichnete das Fasten als „eine Operation ohne Messer". Er verstand den Fasten-Prozess nicht nur als physiologischen Vorgang, sondern als eine Möglichkeit, innere Stille zu finden und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Meditation, Naturerlebnisse, Gespräche und kreative Tätigkeiten sind feste Bestandteile des klassischen Buchinger-Programmes in den Kliniken.
Otto Buchinger schrieb in seinem Werk „Das Heilfasten" (1935): „Fasten ist die größte Medizin der Natur, die älteste und wirksamste Heilmethode, die je der menschliche Geist entdeckt hat." – Diese Aussage spiegelt seine tiefe Überzeugung wider, die er auf Basis seiner klinischen Erfahrungen formulierte.
Heute wird das Buchinger-Fasten in verschiedenen Varianten angeboten – von ambulant begleitetem Gruppenfahrten bis hin zu stationären Klinikprogrammen. Die moderne Buchinger-Wilhelmi-Klinik führt auch Forschungsprojekte zur metabolischen Wirkung des Fastens durch, die international Beachtung finden. Für Menschen, die einen klar strukturierten, medizinisch fundierten Rahmen suchen, gilt das Buchinger-Fasten bis heute als goldener Standard unter den Fastenmethoden. Fasten-Produkte
Das Hildegard-Fasten: Klostermedizin trifft spirituelle Heilkunst
Hildegard von Bingen (1098–1179) war Benediktinerin, Mystikerin, Komponistin – und eine der bedeutendsten Heilerinnen des Mittelalters. Ihr umfangreiches naturmedizinisches Wissen hat sie in Werken wie „Physica" und „Causae et Curae" niedergelegt. Diese Schriften bilden bis heute die Grundlage der Hildegard-Medizin, die in den letzten Jahrzehnten durch den Arzt Dr. Gottfried Hertzka und später durch Wighard Strehlow einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Das Hildegard-Fasten ist kein modernes Konzept – es entstammt einer jahrtausendealten klösterlichen Tradition. Hildegard von Bingen Produkte
Beim Hildegard-Fasten steht die spirituelle Dimension von Anfang an im Mittelpunkt. Hildegard sah den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist – und das Fasten als Mittel, alle drei Ebenen gleichzeitig anzusprechen. Das Fastenprotokoll ist deutlich kräuterreicher und vielfältiger als das Buchinger-Modell. Typische Elemente sind: Dinkelsuppen und -breie (Dinkel galt für Hildegard als das edelste aller Getreide), Kräutertees aus Fenchel, Bertram und Galgant, spezielle Gewürzmischungen sowie bestimmte Weine, die mit Heilkräutern angesetzt wurden. Diese sogenannten Kräuterweine – etwa Herzwein aus Petersilie oder Lavendelwein – wurden in kleinen Mengen traditionell als begleitende Hausmittel geschätzt.
Hildegards Kräuterwissen ist dabei von besonderer Tiefe. Sie unterschied penibel zwischen wärmenden und kühlenden Kräutern, zwischen solchen, die sie als „viriditas" – als grüne Lebenskraft – bezeichnete, und solchen, die eher beruhigend wirkten. Im Fasten-Kontext spielen vor allem wärmende, anregende Kräuter eine Rolle: Bertram (Anacyclus pyrethrum) etwa wird seit Jahrhunderten in der Hildegard-Tradition als Begleiter für Körper und Geist geschätzt. Auch Galgant (Alpinia officinarum), den Hildegard als „Gewürz der Gewürze" pries, und Fenchel als wohltuendes Alltagskraut sind feste Bestandteile des Hildegard-Fasten-Programms.
Die wichtigsten Hildegard-Kräuter im Fasten-Überblick:
Bertram: In der Hildegard-Medizin seit Jahrhunderten traditionell verwendet – als „Wärmer von innen" geschätzt, historisch in Suppen und Kräutermischungen eingesetzt.
Galgant: Hildegard nannte ihn das „Gewürz gegen alle Beschwerden" – aromatisch, wärmend, seit dem Mittelalter in der Klosterküche und Heilkunde bekannt.
Fenchel: „Fenchel macht den Menschen fröhlich", schrieb Hildegard – er gehört zu den meistgenannten Kräutern in ihren Schriften und wird als sanfter Begleiter im Alltag geschätzt.
Wermutkraut: Ein klassisches Bitterkraut der Klostermedizin, historisch bekannt als Bestandteil von Kräutermischungen zur Fastenzeit.
Das Hildegard-Fasten ist eng mit dem christlichen Kirchenjahr verbunden. Klassische Fastenzeiten sind die Vierzig-Tage-Fastenzeit vor Ostern sowie kürzere Fastenperioden vor anderen kirchlichen Hochfesten. Diese Einbettung in einen religiösen Rhythmus unterscheidet das Hildegard-Fasten fundamental vom rein gesundheitsorientierten Buchinger-Ansatz. Für viele Praktizierende ist genau dieser spirituelle Rahmen der eigentliche Mehrwert – das Gefühl, Teil einer lebendigen Tradition zu sein, die über das bloße Weglassen von Nahrung weit hinausgeht. BitterKraft Original
Die zentralen Unterschiede: Methodik, Nahrung und Philosophie im direkten Vergleich
Der grundlegende Unterschied zwischen beiden Methoden liegt in ihrer Herkunft: Buchinger ist ein ärztlich entwickeltes, medizinisch begleitetes Konzept des 20. Jahrhunderts – das Hildegard-Fasten ist eine spirituell-klösterliche Praxis aus dem Mittelalter, die auf dem überlieferten Kräuterwissen einer Benediktinerin basiert.
Beim Vergleich der konkreten Nahrungsmittel zeigen sich markante Unterschiede. Das Buchinger-Fasten beschränkt sich strikt auf Flüssigkeiten – Säfte, Brühen, Tees. Feste Nahrung ist ausgeschlossen. Das Hildegard-Fasten erlaubt hingegen bestimmte feste Speisen: vor allem Dinkel in Form von Breien, Suppen und einfachem Brot. Damit ist es kalorisch etwas großzügiger und für viele Menschen im Alltag leichter durchführbar. Auf der anderen Seite verlangt das Buchinger-Fasten in seiner reinen Form eine striktere Disziplin, was manche als tiefgreifendere Erfahrung beschreiben.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied betrifft die Kräuterintegration. Während beim Buchinger-Fasten Kräutertees vorwiegend als angenehme Begleitung dienen, sind Kräuter beim Hildegard-Fasten ein aktiver, bedeutungsvoller Bestandteil des gesamten Konzepts. Jedes Kraut hat bei Hildegard eine eigene Qualität, eine eigene „Seele" – und die Auswahl der Kräuter richtet sich nach dem individuellen Typ des Fastenden, seiner konstitutionellen Veranlagung und der Jahreszeit. Dieses tiefe, symbolisch aufgeladene Kräuterwissen macht das Hildegard-Fasten zu einer eigenständigen Heilkunst, die weit über reine Ernährungslehre hinausgeht.
Beide Methoden betonen die Verbindung von Körper, Seele und Geist – jedoch auf unterschiedlichen Wegen: Buchinger verankert diese Ganzheitlichkeit in einem medizinischen Programm mit Bewegung, Ruhe und psychologischer Begleitung. Hildegard verankert sie in Gebet, Liturgie und dem spirituellen Erleben der Natur als Schöpfung Gottes.
Was die Begleitung betrifft: Das Buchinger-Fasten wird idealerweise in einer Klinik oder unter Aufsicht einer Heilpraktikerin bzw. eines Arztes durchgeführt. Für längere Fastenperioden ab zehn Tagen aufwärts ist ärztliche Begleitung ohnehin empfehlenswert. Das Hildegard-Fasten kann hingegen – in kürzerer Form – oft auch eigenverantwortlich zu Hause durchgeführt werden, zumal zahlreiche Bücher und Kurse von zertifizierten Hildegard-Therapeutinnen und -Therapeuten verfügbar sind. Für beide Methoden gilt: Wer an einer Grunderkrankung leidet oder Medikamente einnimmt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.
Für wen eignet sich welche Methode? Eine ehrliche Entscheidungshilfe
Die Frage „Buchinger oder Hildegard?" lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt entscheidend von den persönlichen Zielen, dem Lebensrhythmus und der inneren Haltung des Fastenden ab. Es lohnt sich, ehrlich zu reflektieren, was man vom Fasten erwartet: Geht es primär um eine tief greifende physische Auszeit? Um spirituelle Einkehr? Um die Stärkung einer traditionellen Praxis? Oder um eine Kombination aus allem?
Das Buchinger-Fasten empfiehlt sich besonders für Menschen, die einen klar strukturierten, wissenschaftlich fundierten Rahmen schätzen. Wer das erste Mal fastet und medizinische Begleitung bevorzugt, ist mit einem Buchinger-Programm gut beraten. Auch für Menschen, die eine intensive, tiefgreifende Erfahrung suchen und bereit sind, für eine Woche oder länger aus dem Alltag auszusteigen, bietet das Buchinger-Klinikfasten optimale Voraussetzungen. Die Kombination aus Saftkur, Bewegung, Ruhe und psychologischer Begleitung ist professionell ausgearbeitet und bewährt. Darm- und Verdauungsprodukte
Das Hildegard-Fasten hingegen spricht besonders jene Menschen an, für die Fasten nicht nur ein körperlicher, sondern zutiefst spiritueller Akt ist. Wer sich mit der christlichen Mystik, der Klostermedizin oder dem mittelalterlichen Kräuterwissen verbunden fühlt, wird im Hildegard-Fasten eine Heimat finden. Es eignet sich auch gut für Menschen, die Fasten lieber in den Alltag integrieren möchten – etwa als regelmäßige, kürzere Fastenperioden im Einklang mit dem Kirchenjahr. Die Erlaubnis, Dinkelbreie und Kräutersuppen zu sich zu nehmen, macht es zugänglicher für jene, die ein reines Saftfasten als zu herausfordernd empfinden.
Traditionelle Begleitkräuter – für Fastenzeit und darüber hinaus:
- Fenchel: In der Klostermedizin seit Jahrhunderten traditionell als sanftes Alltagskraut geschätzt – als Tee oder in Suppen, historisch besonders in der Fastenzeit verwendet.
- Galgant: Seit dem Mittelalter in der Hildegard-Tradition bekannt – wärmend und aromatisch, historisch in Gewürzmischungen und Kräuterweinen eingesetzt.
- Bertram: Wird in der Hildegard-Medizin traditionell als „innerer Wärmer" verwendet – historisch als Bestandteil von Fastensuppen und Heilmischungen dokumentiert.
- Brennnessel: Historisch bekannt als nährstoffreiches Frühjahrskraut – in Klostergärten kultiviert und traditionell in der Fastenzeit als Tee oder Suppe verwendet.
- Schafgarbe: Seit Jahrhunderten in der Volksmedizin und Klosterheilkunde geschätzt – als Tee traditionell zu Fastenzeiten und als Begleiter in der Kräuterküche bekannt.
- Wermutkraut: Ein klassisches Bitterkraut mit langer Tradition in der Klostermedizin – historisch als Teil von Kräutermischungen zur inneren Einkehr und Reinigung eingesetzt. BitterKraft Original
Wer sich nicht entscheiden kann, muss es vielleicht gar nicht: Eine bewusst gestaltete Fastenzeit kann Elemente beider Methoden vereinen – die klare Struktur des Buchinger-Fastens mit der Kräutertiefe und Spiritualität des Hildegard-Ansatzes. Viele erfahrene Fastenbegleiterinnen und -begleiter empfehlen genau das.
Am Ende gilt für beide Methoden dasselbe: Fasten ist keine Diät, keine kurzfristige Maßnahme, sondern eine Haltung – eine bewusste Entscheidung, inne zu halten, auf den eigenen Körper zu hören und Raum für das Wesentliche zu schaffen. Ob mit dem Saft in der Hand oder dem Kräutertee nach Hildegards Rezept: Der erste Schritt ist immer die innere Bereitschaft. Und die kann jede und jeder für sich selbst finden – ganz unabhängig von der gewählten Methode. Fasten-Produkte
Hildegard von Bingen schrieb in „Causae et Curae": „Der Mensch soll sein Fleisch kasteien, damit die Seele frei werde und aufsteigen kann zu Gott." – Diese spirituelle Grundhaltung, die Fasten als Weg zur inneren Freiheit begreift, durchzieht die gesamte Hildegard-Medizin und unterscheidet sie fundamental von rein körperbezogenen Fastenansätzen.
Egal für welche Methode Sie sich entscheiden: Eine gute Vorbereitung ist in jedem Fall wichtig. Dazu gehören eine langsame Reduktion von Kaffee, Alkohol und stark verarbeiteten Lebensmitteln in den Tagen vor dem Fasten, ausreichend Schlaf und – besonders beim ersten Fasten – die Begleitung durch eine erfahrene Fastenanleiterin oder einen Heilpraktiker. Auch der Fastenausbruch, also das schrittweise Wiedereinführen fester Nahrung, sollte bewusst gestaltet werden: sanft, dankbar und ohne sofortigen Rückfall in alte Ernährungsgewohnheiten. Leber-Produkte von Bitterkraft




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