
Wann haben Sie sich zuletzt ganz bewusst Zeit für sich genommen? Ohne Ablenkung, ohne Verpflichtungen, einfach nur, um im Moment anzukommen?
Im hektischen Alltag fällt es uns oft schwer, auf die Signale unseres Körpers zu hören. Dabei können schon kleine Veränderungen viel bewirken: eine Mahlzeit in Ruhe genießen, bewusst durchatmen oder sich einen Moment der Stille gönnen.
Für Sabine Schaar-Sökefeld, Heilpraktikerin und Yogalehrerin, gehören bewusste Ernährung, Bewegung und innere Balance untrennbar zusammen.
Im Interview erzählt sie, warum Achtsamkeit bereits beim Essen beginnt, welche Rolle Kräuter und Bitterstoffe in ihrer Küche spielen und wie wir mit kleinen, persönlichen Ritualen wieder mehr Ruhe und Verbindung zu uns selbst finden können.
Entdecken Sie wertvolle Impulse für einen achtsameren Alltag.
In der Klosterheilkunde nach Hildegard von Bingen galten Leib, Seele und Natur als untrennbar. Bewusstes Essen war ein fester Teil davon. Auch Sie verbinden innere Einkehr mit einer pflanzlichen Küche. Welche Rolle spielt für Sie, wie wir essen, also mit welcher Aufmerksamkeit und in welchem Tempo? Und haben herbe, bittere Aromen einen Platz in Ihrer Küche?
Für mich ist Achtsamkeit ein Teil der Antwort auf die Frage: „Wie kommt Yoga in die Küche?“
Ein wesentlicher Aspekt meiner Haltung und auch meiner Arbeit ist die PRÄSENZ. Nur in dem Moment, in dem wir bewusst wahrnehmen, sind wir im Jetzt – im Körper verankert. Das wiederum ist essentiell, um zu spüren, was uns gut tut und was nicht. Und das hat nichts mit „reinem Wissen“ zu tun, sondern für mich mit somatischer Intelligenz. Was bedeutet, dass unser Körper genau weiß, was er gerade jetzt braucht. Immer dann, wenn wir uns ablenken, fern schauen oder im Handy stöbern, Nachrichten parallel zum Essen beantworten und weiterarbeiten – entsteht kein Raum für echte bewusste Wahrnehmung.
Der Vagus-Nerv, unser Hauptnerv, der für Entspannung zuständig ist, reagiert ganz direkt auf achtsames Essen. Erst dann läuft auch die Verdauung optimal.
In meiner Ausbildung gab es eine Zeit, in der ich mit einer Chinesin Kontakt hatte. Diese erzählte mir dann, dass die chinesische Kultur pflegt zu sagen: Wenn essen, dann essen – wenn arbeiten, dann arbeiten – wenn Pause, dann Pause. Also nichts gleichzeitig, sondern immer Raum und Zeit für EINE Sache.
Ich war auch in der Yoga-Ausbildung in einem Schweige-Seminar in einem Kloster. Dort gab es ayurvedische Küche, die mit vielen Kräutern so wundervoll unseren Körper unterstützt. In dieser Woche habe ich gemerkt, wie wesentlich das Nicht-Sprechen beim Essen ist – wie viel besser der Körper aufnehmen und verarbeiten kann – und wie sich seit dem meine Verdauung verändert hat, weil ich es in mein Leben integriere.
Kräuter und Bitterstoffe haben in meiner eigenen Küche sowie in der Beratung der Klientinnen einen hohen Stellenwert. Ich schaue hier nicht nur aus der Basenlehre sondern auch aus der ayurvedischen Betrachtung auf die Frauen, die zu mir kommen.
Kein Geschmack entgiftet besser als BITTER. Und so sind Bitterstoffe in den Basenkuren, die ich für mich und online für meine Kundinnen mache, essentiell.
Viele von uns kennen das: Wir sagen uns ‚Jetzt entspann dich doch mal', und trotzdem kreisen die Gedanken weiter. Sie sind überzeugt, dass wir den Körper mit einbeziehen müssen, wenn wir Stress und Überforderung loslassen wollen. Warum reicht es nicht, nur im Kopf etwas zu verändern? Und woran merkt man im Alltag, dass der Körper ‚mitredet'?
Für mich als Yogalehrerin & Heilpraktikerin ist der Körper der Schlüssel zur Entspannung. Körper & Atem sind immer im JETZT, während der Geist ein Zeitreisender ist. Wir denken über morgen und die Vergangenheit nach. Wenn aber die Aufmerksamkeit auf den Körper gelenkt wird und wir den Atem wahrnehmen, entspannt sich der Geist wie von selbst.
Yoga lebt davon und setzt genau dort an: über den Körper & Atem den Geist zur Ruhe zu bringen.
Unter Stress ist unser Körper angespannt, die Muskeln sind hart, der Atem kurz oder flach und der Kopf voller Gedanken. Wir fühlen uns oft gehetzt und getrieben und die Anspannung ist vom Nacken bis in die Beine spürbar. Ich zumindest nehme die Spannung sehr oft in meinen Beinen wahr, oder dass ich die Schultern hochziehen.
Da alles EINS ist, d.h. Körper, Atem und Geist gewissermaßen ein magisches Dreieck bilden, können wir mit der Veränderung auf Körperebene den Geist klären.
Nicht umsonst heißt es: Ich bin sauer – wenn wir ärgerlich oder wütend sind. Genau das geschieht im Körper mit Stress: Er wird zu Säure und belastet Magen, Leber & Co. – und unser Nervenkostüm
Auch hier spielt wieder der Vagus-Nerv eine große Rolle. Er sendet das Gefühl „ich bin sicher“ – und so kann Entspannung erst einsetzen.
Gerade Frauen ab 50 kümmern sich oft um alle anderen, um Familie, Enkel, Eltern oder die Tiere, und sich selbst ganz zuletzt. Welches kleine Ritual empfehlen Sie, um wieder bei sich anzukommen?
Oh, das ist ganz unterschiedlich – so wie jede Frau verschieden ist. So sollte auch jede ihr eigenes Ritual entwickeln. Ein Ritual ist ja nicht etwas, das von jemandem vorgegeben wird und damit wirkt es!
Ein Ritual wird für mich erst zu einem wirksamen Seelen-Werkzeug, wenn wir fühlen: DAS BRAUCHE ICH! Nicht: ich muss das jetzt machen, weil…
Denn wirkliche Verbindung zu sich selbst entsteht durch Erleben und Fühlen.
Ich kann hier sagen, was ICH tue: Für mich ist Yoga & mein Basen-Tee oder der Rituelle Kakao zwischendurch, die basische Badewanne, das basische Fußbad oder auch der Waldspaziergang mit meinen Hunden und die Spielzeit am Tag mit meiner Katze ein wertvolles Ritual.
Zeit, die ich nicht „muss“ , sondern „fühle, dass genau das jetzt trägt!“
Um dies zu integrieren in unseren Alltag und nicht wieder zu sagen: Ja, später! … ist es für mich essentiell, dass sich jede Frau wichtig nimmt! Dazu reicht es, immer wieder am Tag innezuhalten und in sich einen Moment zu spüren. Ganz bewusst die Fußsohlen am Boden, die Hände, den Atem – und zu schauen: die Stille ist immer da! Ich darf sie nur wieder wahrnehmen.
Stille heilt. Weil unsere Essenz Stille ist.